Die Büste von: Victor N. Gaspari

Von Boris Horváth

Der Zufall der Geschichte treibt ungeahnte Blüten in der Hauptstadt Sloweniens. Ein fast vergessener Sohn der Stadt taucht unter mysteriösen Umständen aus dem Vergessen auf. Die Rede ist von dem Dichter Victor N. Gaspari (*1802 in Ljubljana - 1833 in Ljubljana) einem Weggefährten des slowenischen Nationaldichters France Prešerens, der dank einer Hausrenovierung in der Altstadt Ljubljanas und dem damit verbundenen Fund zahlreicher Dokumente zu neuem Leben erwacht.

Die um 1900 demontierte Büste von Victor N. Gaspari

Gedichtband Gasparis, E. A. Telemann, Berlin 1833

Die Büste der Julia Primic am eistigen Wohnhaus der Familie Primic in der heutigen Wolfova ulica in Ljuabljana

Portrait Victor N. Gasparis, unbekannter Künstler, 1827

Zum vergrößern anklicken

Zeitungsartikel der Delo vom 13. September 2007, mit der Entdeckung der Büste Gasparis

Zdravljica (Trinkspruch) das Gedicht von France Prešeren.

Der Prešerenplatz
(Prešernov trg) ist der Hauptplatz von Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens.

Wolfova Ulica Rekonstruktion mit den Büsten von Julia Primic und Victor N. Gaspari.

Leben

Victor N. Gaspari war ein slowenischer Dichter und wurde 1802 in Ljubljana als zweiter Sohn eines wohlhabenden Händlers geboren. Gaspari stammte aus gutem Hause, war finanziell abgesichert und vertrieb seine Zeit in den Salons der guten Gesellschaft. Gaspari war Studienkommilitone France Prešerenin Wien. Er studierte Philosophie und Musik und galt auf beiden Gebieten als talentiert.

Gaspari interessierte den zwei Jahre älteren France Prešeren in ihrer gemeinsamen Studienzeit für die Poesie und Dichtkunst. Gemeinsam lasen sie die großen Werke, von der Antike bis zur Romantik, von Homer bis Boccacio.Eines seiner ersten Gedichtversuche widmete Prešeren dem damals unglücklich verliebten Victor N. Gaspari. Es war eine Art Studentenscherz mit dem Titel „Zarjovena Divicica“, was etwa soviel heißt wie „verrostete Jungfer“. Die Verse verfehlten jedoch die bedachte Wirkung und Gaspari war über die öffentliche Bloßstellung zutiefst betroffen. Die Freundschaft war von da an belastet und ein paar Jahre später fand Gaspari eine weniger schöne Art des Ausgleichs. 1824 denunzierte er Prešeren, der als Lehrer am Klinkowströmschen Institut in Wien arbeitete und einem Schüler, dem Grafen Anton Auersperg, verbotene Gedichtwerke ausgeliehen hatte. Prešeren wurde wegen freigeistiger Tendenzen entlassen und kehrte nach Ljubljana zurück.

Die beiden ehemals guten Freunde verloren sich für die nächsten Jahre aus den Augen. Gaspari verfolgte jedoch mit Argwohn den weiteren Werdegang Prešerens. Ständig verdächtigte er den ehemaligen Kommilitonen, bei seiner Dichtkunst von den eigenen Früchten gestohlen zu haben. Gaspari wurde von Anton Martin Slomšek, dem späteren Bischof von Maribor, gefördert, in dessen Umkreis er sich bewegte. Slomsek, der die Verwendung der slowenischen Sprache auf die Liturgie reduzieren wollte und die Volksbildung im kirchlichen Sinne propagierte, übte großen Einfluss auf den jungen Gaspari aus. In dem Gedichtzyklus „Liturgische Elegien“ setzte Gaspari Anton Martin Slomsek ein viel zu wenig beachtetes Denkmal.

1833 kehrt Gaspari in das elterliche Haus nach Ljubljana zurück. Wien und seine Salons, die degenerierte Gesellschaft, zu der er selbst zählte, langweilten ihn. Er beneidete Menschen wie France Prešeren, die sich ihr Leben erarbeiteten und an etwas glaubten, ein Ziel hatten. Für ihn war das Leben ein Geschenk, das ihm keine Mühe kostete. Er ließ sich von seiner Lust und seinen flüchtigen Interessen treiben. Von der Musik hatte Gaspari sich erfolglos abgewendet und widmete sich nur noch dem schreiben. 1833 veröffentlichte er auf eigene Kosten eine Gedichtsammlung, die sich mit „Poesie der Jugend“ übersetzen lässt. Der Band fand mäßigen Anklang und wurde von dem führenden Kritiker verrissen.

France Prešeren und Victor N. Gaspari trafen in Ljubljana unweigerlich aufeinander. Doch die Jahre hatten die Unstimmigkeiten verblassen lassen. Bis zum 6. April 1833 wo Gaspari gewahr wurde, das Prešeren die von ihm angebetete Julija Primic verehrte. Dieses Erlebnis und die daraus resultierenden Streitigkeiten zwischen Prešeren und Gaspari führten dazu, dass sich Julija Primic von beiden Männern Abwandte. Für Gaspari ergab sich daraus eine unerwartete Wendung im Leben. Seine Dichtkunst trieb neue ungeahnte Blüten, die sich in dem Gedicht „Der Stolz“ am deutlichsten zeigten. Er schwankt in den Zeilen zwischen der Akzeptanz des Verlustes seiner großen Liebe und dem Trotz dieser Schwäche zu widerstehen. Das Gedicht bezieht auch deutlich Stellung zu Gasparis und Prešerens Beziehung. Die letzte Strophe findet sich in abgewandelter Form in Prešerens Trinklied/Zdravljica. Diese Tatsache führte zu einem Streit zwischen den beiden ehemaligen Freunden, in dessen Verlauf Gaspari von der Drachenbrücke stürzte und ertrank. Die Ursache dieses Sturzes wurde nie geklärt.

1894 wurde an dem ehemaligen Wohnhaus Julija Primic eine Büste der Julija angebracht, wie sie aus einem stilisierten Fenster heraus, sehnsuchtsvoll auf die Strasse blickt. Zwei Jahre später wurde von einem unbekannten Künstler ein weiteres Portrait an der Hauswand angebracht, das Bildnis Victor N. Gasparis, der ebenfalls aus einem Stilisierten Fenster heraus zu der Julija herüberblickt. 1900 verschwindet dieses Bild jedoch auf geheimnisvolle Weise über Nacht. So das 1905, als das große Standbild France Prešerens auf dem wenige Meter entfernten Platz eingeweiht wurde, der Blick der Julija nur mehr der leidenden Liebe France Prešerens gilt.

Das Andenken an Victor N. Gaspari ging mit seinem Bildnis unter. Von der Geschichte und seinen Ereignissen überholt, wurde sein Bildnis 2006 in einem Keller in Ljubljana wieder entdeckt. Die Stiftung Victor N. Gaspari ist bemüht das Bildnis Gasparis an seinem ursprünglichen Ort, dem ehemaligen Wohnhaus von Julija Primic, anzubringen um so das beinahe vergessene Ansehen des slowenischen Dichters zu gedenken.

Victor N. Gaspari: Der Schmerz
Elegien Zirkel, 1828  
    Aus dem slowenischen von B. Horváth
  

1     Den Schädel bis zum Scheitel aufgerissen -  
2     Von wiederkehrenden, quälenden Erinnerungen;  
3     An etwas, das mir wie das Glück erschien -  
4     Doch trügerisch im Bilde schimmerte.  

5     Ich fürchtete und hoffte bang,  
6     Bis Furcht und Hoffnung ich bezwang;  
7     Das Herz ist leer, ist ohne Glück,  
8     Wünscht Furcht und Hoffnung sich zurück  

9     Mit einem groben Seil ich band,  
10  Den leidend Kopf zusammen mir;  
11  Mit Nägeln und mit Schrauben,  
12  Die tränend Augen zu verschließen.

13  Mit Schlamm und Ton die Ohren stopft ich;  
14  Mit Bleiplatten einen Brustpanzer ich schuf,  
15  Damit das Herz nicht mehr klopft und ruft,  
16  So unerträglich laut nach Dir.  

17  Die Füße vergrub ich im Boden;  
18  Dass ein Nachlaufen mir unmöglich ist,  
19  Ich sehe dich nicht.  
20  Und mich auch nicht.
 

  

BOLEČINA (Der Schmerz)
Elegien Zirkel, 1828 

1     Lobanja, odprta do temena
2     Od ponavljajočih se, bolečih spominov
3     Na nekaj, kar se mi je zdelo da je sreča
4     A se je varljivo lesketalo na sliki

5     Tesnobno sem upal in se bal
6     Dokler nisem premagal tako tesnobo kot upanje
7     Srce je prazno in nesrečno
8     Upanja in tesnobe si želi

9     Z grobo vrvjo sem si 
10   Povezal trpečo glavo
11   Z žeblji in vijaki
12   Sem zaprl solzne oči

13   Z blatom in glino sem zamašil ušesa
14   Iz svinčenih plošč sem naredil oklep za prsi
15   Da srce ne bi več ne bi bilo
16   In te klicalo tako neznosno glasno

17   Noge sem zakopal v zemljo
18   Da ne bi mogel steči za tabo
19   Ne vidim te
20   Tudi sebe ne vidim

 
PONOS (Der Stolz)
1831  Liturgische Elegien

21   Zvija se
22   Z zaprtimi očmi
23   Pred tem kar neizogibno
24   Stoji pred njim

25   Dolgo je že odkar je bil spoznal vendar se 
26   Zavračanje upira
27   V notranjosti 
28   Teme

29   Izza svojih temnih tančic
30   Komaj zaznavno
31   Se lesketa bistvo tega kar ostane
32   Odkar ste bili odšli

33   Vendar pa kot trdnjava
34   Ostaja ponos
35   Miren v samemu sebi
36   Neogrozljiv v temni globini
37   Nedotakljiv!

38   Pa kljub temu, rahla
39   Bežna sapa dvoma
40   V vetrovnem prevračanju
41   Trka, komaj slišno
42   Na vhod z lesenimi vrati

43   Mehko se odpirajo ključavnice
44   Zaveje po vežah in hodnikih
45   In začara vse, ki se zoperstavijo
46   Glasno zazveni iz najgloblje spokojnosti

47   Iz najtemačnejših obokov trdnjave
48   Se čast povzpne dostojanstveno
49   Odvrže svoje okove
50   Oboroži se z oklepom, mečem in ščitom
51   In dvomu prepreči vstop

52   Krhke stene se ojačajo
53   V novem sijaju
54   Pretegne se majavi stolp
55   Zabuči nevihta
56   Skozi svete dvorane

57   Potiho, po prstih
58   Poplesuje po posušenih prstih
59   Rahlo praska po oklepu
60   Boža ščit in oklep
61   Grabi po čeladi

62   S sikajočimi besedami, z zmedenimi čuti
63   Obletava nasprotnico
64   Čast se iznenada vrže na prsi
65   Z izvlečenim mečem
66   Se ne umakne niti za pedenj

67   Nobeno kipenje je ne more omajati
68   Vihti meč
69   Božajoči prsti kot črvi padajo na tla
70   Plazijo se, branijo se in napadajo
71   Da bi si priborili pot v notranjost

72   Iznenada ponosna dama viteška zgrabi pošast za grivo
73   Da bi se otresla hinavskega objema
74   Vrže se na najvišjo bodico
75   In zoprna pošast zgrmi
76   V globoko vodo ob vznožju utrdbe

77   Valovi viharnega morja se poležejo
78   V bran se postavi izčrpanost
79   In mir zavlada
80   Toda spodaj v razpenjenih valovih
81   Se roka neopazno steguje kvišku

82   Počasi, tiho, obotavljivo
83   Ob podpori tovariša, strahu
84   Se ponovno dvigujeta
85   Pripravljajoč se na bitko
86   Se dvojica umika v senco obrambe

87   Naj živijo ljudje
88   Ki hrepeneče čakajo dan
89   Ko se bo svet odrekel starim zameram
90   Ko prost bo vsak
91   Ne sovrag, odslej samo prijatelj
  

 

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Werke:  
Liturgische Elegien, Mausbergers Druck und Verlag, Wien 1831  
Poesie der Jugend, Verlag E.A. Telemann, Berlin 1833  
Elegien Zirkel, Mausbergers Druck und Verlag ,Wien 1828  
Gedichte (posthum), Verlag E.A. Telemann, Berlin 1833  
 

Quellen:
Delo (Tageszeitung Ljubljana) 12. Oktober 2006
Gedichte, Victor N. Gaspari, Berlin Verlag E.A. Telemann, 1833
Polona Ahačič, Victor N. Gaspari in: Slovenski biografski leksikon, 1986 (Das slowenische biographische Lexikon, SBL)
Slowenien: Zwischen Alpen, Adria und Pannonischem Tiefland
Klaus Schameitat, Trescher Verlag, 2012

Europe Online Magazin, Söhne und Töchter der Stadt Ljubljana
Slowenische Sprache, Books LLC, 2011
Historische Personen, General Books, 2011

 

Copyright by CIfG 2013