Mario Tombarell  der unglaubliche Affenmensch (1892-1930)

 

Das Varieté hatte sich in Mitteleuropa Geltung in den bürgerlichen Schichten verschafft. Die Artisten integrierten sich in den städtischen Alltag als anständige, steuerzahlende Bürger und gute Nachbarn, denen man ihren Beruf privat nicht mehr ansah. Zur Zeit der „fahrenden Leute“, wie man Spielleute und Artisten im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert noch nannte, war die Akzeptanz in der Bevölkerung wesentlich geringer gewesen.

Ende der zwanziger Jahre verschlechterte sich der Gesundheitszustand Mario Tombarells. Stärker werdende Schmerzen, verursacht durch Gelenkrheumatismus, ließen ihn wiederholt über eine Operation nachdenken. Zudem geriet das Varieté- und Revuetheater durch den aufkommenden Tonfilm in eine schwerwiegende Krise. Die Produktionskosten für die theatralischen Bühnendarbietungen lagen allerdings extrem hoch, ihre Senkung war also grundsätzlich, und besonders vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre, im Interesse eines jeden Revueunternehmers. Der Stummfilm war für die Artisten der Bühne, keine Konkurrenz gewesen, da er nur sehr beschränkte Möglichkeiten für musikalische Unterhaltung zu bieten hatte. 

Der Tonfilm änderte diese Situation völlig, weil sich mit diesem neuem Medium revueähnliche Produkte bei verminderten Kosten erstellen ließen und durch die Vervielfältigung höhere Gewinne abwerfen ließen. Historisch könnte man sagen: das Kino war anfänglich wie die Artisten auf den Jahrmärkten zu Hause und übernahm die Stoffe der Schausteller und deren Darbietungsweise. Die Konsequenz dieser Entwicklung lag auf der Hand. Die Auftrittsmöglichkeiten für Artisten wie Mario Tombarell wurden zusehends schwieriger. Das Publikum zog die „bewegten Bilder“ dem realen Erlebnis vor.

1930, während einer Vorstellung in der Shouwburg in Rotterdam, endete die Karriere Mario Tombarells durch einem tragischen Unfall. Durch seinen geschwächten Gesundheitszustand und wahrscheinlich aufgrund von Nachlässigkeiten betreffend der Sicherheitsvorkehrungen, lockerten sich die Halterungen des Kunstbaumes an dem der Artist seine Kunststücke absolvierte. Mario Tombarell verlor das Gleichgewicht und stürzte aus zwölf Meter Höhe auf den Parkettboden der Bühne, wo er sich zwei Halswirbel brach. Eiligst in ein Rotterdamer Krankenhaus gebracht, erlag er noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Mario Anton Tombarell starb am 16 Mai 1930 im Alter von achtunddreißig Jahren. Mit ihm starb einer der ungewöhnlichsten Artisten des zwanzigsten Jahrhunderts.  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

Gastauftritt Tombarells in München, um 1919 

Das Hüfferstifft in Münster, eine der ersten Orthopädischen Kliniken Deutschlands. Hier verbrachte Mario Tombarell mehrere längere Aufenthalte zur Behandlung seiner Füße  

Gipsabguss  des rechten Fußes von Mario Tombarell aus dem Jahr 1922. Solche Abgüsse wurden von besonderen Orthopädischen Seltenheiten angefertigt um sie als Anschauungsstücke in der Klinik zu nutzen  

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