Kaes van Dongens (1619-1672)

Gedichte von der Liebe und dem Schmerz                                                     zurück

Neben dem 1650 herausgegebenen Gedichtband Soo sult gy en die naar uw komen het genieten (So sollt ihr und die nach Euch kommen es genießen) kann man die Sammlung von Liebesgedichten: Von der Liebe und dem Schmerz als das Hauptwerk des niederländischen Dichters Kaes van Dongen bezeichnen. Die Gedichte zeichnen sich durch einen, für ihre Zeit sehr modernen Rhythmus und einer stark von Gefühlen geprägten Farbigkeit aus, die unter van Dongens Zeitgenossen keine Vergleiche findet.

  

   
 
Reclam Ausgabe von 1964 Radierung mit dem Portrait
Kaes van Dongens
 
 

Bis vor wenigen Jahren galten alle Exemplare des 1650 herausgegebenen Gedichtbandes Soo sult gy en die naar uw komen het genieten (So sollt ihr und die nach Euch kommen es genießen) als verschollen. Das bislang einzig erhaltene Exemplar wurde durch Zufall 1992 auf einem Flohmarkt in Antwerpen erstanden und ist heute im Stadtmuseum Herford, im Raum der starken Frauen, wo auch ein Portrait Elisabeth von der Pfalz hängt, ausgestellt. Auf dem Deckblatt findet sich eine Widmung für Elisabeth von der Pfalz.

 

Originalausgabe von 1650  Zeichnung von Kaes van Dongen 

  

Auf der letzten Seite dieser Ausgabe des Gedichtbandes von Kaes van Dongen gibt es einen interessanten Einblick in die Beziehung Kaes van Dongens zu Elisabeth von der Pfalz. Die Seite ziert eine Zeichnung aus der Hand van Dongens, auf der die entkleidete Elisabeth von der Pfalz dargestellt st, wie sie auf einem Bett liegt. Bei den neben der Zeichnung geschriebenen Notizen handelt es sich aller wahrscheinlichkeit nach um Gedankenfrag-mente, die van Dongen während des Zeichnens niedergeschrieben hat.
Linke Seite, neben der Zeichnung: So sollst du es genießen, die schöne Elisabeth, Kaes  
Ein seltsamer, durchaus frei assoziierbarer Text steht auf der gegenüberliegenden rechten Seite der Zeichnung schräg geschrieben: "In dem Zimmer standen ein Tisch und vier Stühle. Dann waren da noch zwei Kisten: eine gewöhnliche Kiste und eine Kiste mit Büchern. An der anderen Wand standen ein paar wunderschöne Stühle und eine Bank, und ein kleines Mädchen mit dem Namen Elisabeth..."

  


Im folgenden können Sie die Gedichte der Ausgabe einsehen. Gedichte mit dem Gekennzeichnete Hörbeispiele Zeichen können abgespielt werden. Aufnahme: Prof. Dr. Jaap van Hoofstraat spricht: Kaes van Dongen Von der Liebe und dem Schmerz, 1972, Deutsche Schallplatten Berlin.

   


Inhaltsverzeichnis:

7- 18     Fragmente
19-45   Von der Liebe und dem Schmerz
19          An einem Abend
20          Großen Bällen gleich
21          Ich liege neben dir
22          Den Schädel aufgerissen
23          Wenn die Liebe erkannt ist
24          Nach Jahren
25          Mit Nägeln und Schrauben-------------- Gekennzeichnete Hörbeispiele 
26          Das Glück währt kurz
27          Ist Befreiung
28          Ich kämpfe
29          Beziehungen
30          Weil ich weiß
31          Die Gedanken schwimmen
32          Du schaust mir in die Augen
33          In lauen Nächten
34          Vormirstehend ---------------------------------- Gekennzeichnete Hörbeispiele 
35          In 10 Jahren
36          Einer Sucht gleich ----------------------------- Gekennzeichnete Hörbeispiele
37          Dies zu schreiben
38          Ich denke nicht
39          Reden mit dir
40          Wer sich die Zeit nimmt
41          Langsam weicht die Kälte -------------- Gekennzeichnete Hörbeispiele
42          Du wolltest gehen
43          Eine Ewigkeit
44          Zögernd
45          Aus der Unsicherheit heraus
46          Ich will mich Quälen
47          Ich liebe dich
48          Wenn ich dich sehe
49          Aus der Sehnsucht

Fragmente

-7-------------------------------------------------------------------------------------------


1   Wenn du weißt,
2   woran du bist,
3   heißt das nicht,
4   dass du weißt,
5   was du damit machst.

6   Manche Kinder, 
7   die zum schwimmen 
8   in den See geworfen werden,
9   ersaufen
 

 
-8-------------------------------------------------------------------------------------------

 

10   Wie zwei Schalen ineinander,
11   lagen unsere Körper.

12   Die wohlige Wärme, 
13   die mich durchfuhr,

14   ließ den Augenblick ewig wären.
 

 
-9-------------------------------------------------------------------------------------------

15   Nach 30 Winter, 
16   ärgert der erste Sommer.

17   Dann wieder Winter.
 

 
-10-------------------------------------------------------------------------------------------

18   Verstehen zu wollen
19   was passiert,
20   heißt
21   wissen zu wollen, 
22   warum.

23   Eine Situation 
24   zu akzeptieren 
25   heißt,
26   zu verstehen.
 

 
-11-------------------------------------------------------------------------------------------

27   Deine Unschuld,
28   mit den Dingen umzugehen -
29   ohne Wissen zu wollen.

30   eine Gabe
31   die mir
32   das Glück 
33   zerbricht.
 

 
-12-------------------------------------------------------------------------------------------

34   Auf einem langen Weg,
35   am Horizont, 
36   schemenhafte Gebilde.

37   Sieh auf die Strasse,
38   sonst landest du im Dreck.
 

 
-13-------------------------------------------------------------------------------------------

39   An Dich zu denken 
40   heißt
41   Schmerzen und Sehnsucht 
42   zu mischen.

43   Dich zu sehen 
44   bedeutet
45   Lust und Leidenschaft 
46   zu bekämpfen.
 

 
-14-------------------------------------------------------------------------------------------

47   Die Kammer zu putzen
48   bedeutet,
49   Erinnerungen 
50   zur Seite zu räumen.

51   Du bist in so vielen Kammern,
52   daß ich nicht weiß
53   wo ich anfangen soll.
54   So manche Tür 
55   lasse ich lieber zu.
  

 
-15-------------------------------------------------------------------------------------------

56   Ich will den Platz 
57   an meinem Arsch
58   nicht mit Ungedult -
59   und Kompromissen
60   gefüllt wissen.
61   Die Melancholie liegt da so gut,
62   jeder neue Arsch
63   muß da erst durch.

64   Mit Blumen 
65   sieht das 
66   auch nicht besser aus.
 

  
-16-------------------------------------------------------------------------------------------

67   Du auf der Brücke
68   Im Regen
69   Du schaust zu mir,
70   mit wackelndem Blick.

71   Wie schön du bist.

72   Wir gehen weiter,
73   dem Regen 
74   zu entfliehen.
 

 
-17-------------------------------------------------------------------------------------------

75   Ich hatte eine kleine Pflanze 
76   gesetzt.
77   In einem kleinem Zimmer,
78   ohne Fenster,
79   mit 4 verschlossenen Türen.
80   Einmal im Jahr 
81   ließ ich Licht herein.
82   Da verkümmerte sie.
 

 
-18-------------------------------------------------------------------------------------------


83   Du sagst,
84   es ist besser so,
85   und hast doch nur
86   genauso viel Angst 
87   wie ich,
88   daß es vielleicht doch 
89   anders 
90   besser 
91   wäre.

 

  
  
Von der Liebe und dem Schmerz
  

-19-------------------------------------------------------------------------------------------

 
92     An einem Abend wie diesem,
93     wenn die Luft hohl wird,
94     erscheinen Drachenkämpfe 
95     so sinnlos.
96     Und 
97     den Ritter 
98     die Prinzessin befreien sehen,
99     schneidet tiefer
100  als jedes Schwert.
  

 
-20-------------------------------------------------------------------------------------------

101   Großen Bällen gleich,
102   die ich nicht mehr unter Wasser
103   halten kann,
104   steigen Liebesbekundungen 
105   aus mir auf.
106   Sie treffen auf ein leeres Meer, 
107   sehen dich aus der Ferne 
108   wie du weiterziehst.
 

 
-21-------------------------------------------------------------------------------------------

109   Ich liege neben dir
110   und warte
111   auf ein Zeichen.
112   Hundert Jahre schon,

113   und morgen 
114   werde ich dich suchen,
115   an den alten Plätzen – 

116   wo Du nicht mehr bist.
 

 
-22-------------------------------------------------------------------------------------------

117   Den Schädel aufgerissen,
118   von zeitweiligen 
119   Quälenden Erinnerungen.
120   An etwas,
121   das wie das Glück erschien.

122   Mit einem Seil, 
123   binde ich den Kopf zusammen.
 

 
-23-------------------------------------------------------------------------------------------

124   Wenn die Liebe erkannt ist,
125   bricht jeder Damm.
126   Wenn die Nähe zu nah wird,
127   laufen die Maurer.

128   Zwei Blumen in einer Vase,
129   trinken von denselben Wasser.

130   Es gibt keine richtigen 
131   oder falschen Entscheidungen.

132   Es gibt nur das Glück
133   Im richtigen Moment da zusein.
 

 
-24-------------------------------------------------------------------------------------------

134   Nach Jahren, 
135   langen und schönen Jahren,
136   voll warmer Erinnerungen,

137   ohne Reue,
138   ohne Wut,
139   beginn ich gerade erst,

140   dich zu lieben.
141   Und seid du gegangen -,
142   wird die Liebe 
143   noch stärker.
 

 
-25-------------------------------------------------------------------------------------------

144   Mit Nägeln und Schrauben,
145   die Augen verschließen.

146   Mit Schlamm und Ton die Ohren.
147   Mit Bleiplatten
148   einen Brustpanzer –
149   damit das Herz 
150   nicht mehr klopft –
160   so laut.

161   Die Füße im Boden eingegraben.
162   Ich laufe dir nicht nach,
163   ich sehe dich nicht,
164   ich höre dich nicht,

165   und mich auch nicht.
 

 
-26-------------------------------------------------------------------------------------------

166   Das Glück währt kurz.
167   Der Schmerz ewiglich.
168   Man glaubt man zehre 
169   von den glücklichen Momenten.

170   Mit dir,
171   - dachte ich –,
172   fühlte ich, 
173   währte das Glück 
174   ewiglich.

175   Doch was bleibt, –
176   ist der leere Schmerz.
 

 
-27-------------------------------------------------------------------------------------------

178   Ist Befreiung 
179   ein selbständiger Akt?
180   befreie ich mich?
181   oder werde ich befreit von..?

182   Entscheidend ist 
183   der Moment danach,
184   wenn der neue Zustand
185   neue Fragen aufwirft.

186   Ich möchte 
187   nicht befreit werden,
188   den Ausschnitt des Bildes
189   bestimmt der Maler,
190   nicht das Modell.
 

 
-28-------------------------------------------------------------------------------------------

191   Ich kämpfe 
192   zwischen 12 Türen.
193   neun sind verschlossen.
194   zwei Wege sind offen,
195   aber schon bekannt.

196   eine Tür ist angelehnt.
197   Doch dahinter,
198   unter klarem Himmel,
199   versperrt 
200   ein knorriger Ast den Weg.

201   Ich weiß nicht was schwerer ist, 
202   umzukehren,
203   oder einen der anderen Wege 
204   zu gehen.
 

 
-29-------------------------------------------------------------------------------------------

205   Beziehungen 
206   sind etwas seltsames.
207   Man begegnet sich,
208   begleitet sich ein Stück –,
209   den gleichen Weg –,

210   dann eine Kreuzung:
211   Einer links der andere rechts.
212   Auf wiedersehen.

213   Auch 
214   wenn man 
215   gemeinsam weiterginge –
216   es würde 
217   eine andere Kreuzung geben.
  

 
-30-------------------------------------------------------------------------------------------

218   Weil ich weiß
219   das es vorbei ist,
220   ist es besser für mich 
221   daß Du leidest.

222   Darum sage ich Dir
223   Immer 
224   und 
225   immer wieder,
226   daß ich dich Liebe.
 

  
-31-------------------------------------------------------------------------------------------

227   Die Gedanken schwimmen.
228   Das Herz läuft über.
229   Ich fliege von hier nach gestern,
230   finde keinen Weg zu Dir.
231   Weiß nicht wo ich stehe.

232   Bei den Bäumen im Bild 
233   bin ich bei Dir.
234   Als ich Dich wiedersah 
235   – aus der Ferne – 
236   tat ein Spalt sich auf,
237   Sehnsucht 
238   brach über mich herein,
239   und füllte die Lücken,
240   die Du hinterlassen hast.
 

 
-32-------------------------------------------------------------------------------------------

 
241   Du schaust mir in die Augen,
242   fragend,
243   fröhlich,
244   meine Trauer spürend,
245   balancierst du
246   zwischen Nähe 
247   und
248   Distance.

249   Den Karren,
250   der mich dabei überrollte,
251   hast du nicht gesehen.
 

 
-33-------------------------------------------------------------------------------------------

252   In lauen Nächten,
253   spüre ich dich noch manchmal.

254   Deine Hand
255   auf meinem Bauch,
256   dein leicht geöffneter Mund,
257   das leise Lächeln,
258   das klare Weiß deiner Augen.

259   In lauen Nächten,
260   wenn ich
261   an dich denke,
262   wünsche ich mir
263   die Zeit zurück - 
264   die es wohl nur 
265   in meiner Vorstellung gab.

266   In diesen Nächten,
267   wundere ich mich,
268   das ich etwas
269   so großes -,
270   gehen ließ.
 

 
-34-------------------------------------------------------------------------------------------

271   Vormirstehend,
272   sehe ich dich,
273   das gestern,
274   im Bett ruhend –
275   du in meiner Armbeuge 
276   liegend.
277   Dein Haar
278   noch feucht vom waschen
279   duftet nach Frühling.
280   Ich wage nicht 
281   mich zu bewegen.
282   Die Vase, 
283   läuft auch nicht zum Bildrand 
284   des Stillebens.

285   Ich halte dich,
286   die du mich hältst.
 

 
-35-------------------------------------------------------------------------------------------

287   In 10 Jahren,
288   wenn wir uns wiedersehen,
289   werde ich dich anschauen,
290   und dich 
291   sofort -
292   wieder lieben.

293   In 10 Jahren,
294   wenn ich verstehen werde 
295   was passiert war,
296   werde ich 
297   mich ansehen
298   und meine Zweifel
299   von damals
300   verfluchen.
 

 
-36-------------------------------------------------------------------------------------------

301   Einer Sucht gleich,
302   ist die Liebe.
303   Da bin ich mir sicher nun.
304   Die Wiederholung
305   eines Gefühlszustandes, 
306   immer
307   und immer
308   wieder.

309   Wie der Becher zu den Lippen,
310   so will ich zu deinem Mund.
311   Und weil der Wein so süß,
312   trink ich immer mehr.
313   Und will er mir Wasser geben,
314   so vergeß ich mich.

315   Nur ein Arzt kann mich
316   von dieser Sucht befreien.
317   Mit einem Messer,
318   schneidet er das Verlangen aus meinem Hirn - tief .

319   Was bleibt?
320   Ein Krug,
321   zerschlagen am Boden.
 

 
-37-------------------------------------------------------------------------------------------

322   Dies zu schreiben,
323   dies alles,
324   tut gut.
325   Klarer wird mein Blick, ruhiger der Verstand.
326   Doch nicht leichter 
327   wird mein Herz.
328   Zu wissen, daß du es ließt,
329   die Dinge die ich nie gesagt,
330   doch immer gefühlt,
331   tut weh.

332   Am Ende des Satzes steht der Punkt.
 

  
-38-------------------------------------------------------------------------------------------

333   Ich denke nicht –
334   an dich.
335   Ich denke nicht –
336   an mich, 
337   der Moment ist lang –,
338   zu lang, 
339   um als Augenblick zu gelten. 

340   Du bist da
341   doch dann –,
342   mit viel Kraft –,
343   bist du weg. 

  
 
-39-------------------------------------------------------------------------------------------

344   Reden mit dir,
345   möcht ich.
346   Tanzen, lachen und weinen.
347   Doch wie ein Verräter
348   käme ich mir vor -
349   und wie ein Tor.

350   Ich vermag es nicht
351   dich anzusehen -
352   wie zuvor.

353   Und du,
354   vermagst es auch nicht,
356   ohne Zweifel -

357   dein Blick forscht ,
358   nach etwas,
359   das ich dir nicht geben darf.

360   Wir werden uns grüßen,
361   und gehen -.
362   Dazwischen - nichts.
  
 
-40-------------------------------------------------------------------------------------------

 
363   Wer sich die Zeit nimmt,
364   den Augenblick treiben zu lassen,
365   um zu erfahren
366   was passiert - 
367   mit sich -
368   dem Gefühl -
369   für sich -
370   dem anderen -

371   der geht das Risiko ein -
372   alles zu verlieren.

373   Obwohl er alles wollte -
374   und hätte haben können.

  
-41-
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375   Langsam weicht die Kälte.
376   Vertrieben von der Ruhe
377   der Entfernung.

378   Vielleicht, 
379   in solchen Momenten,
380   erscheint 
381   ein „danach“ möglich.

382   Doch unerkannt,
383   mit langem Mantel -
384   und säuselnden Ton -
385   souffliert die Hoffnung,
386   die alte Kupplerin.

 
-42-------------------------------------------------------------------------------------------

387   Du wolltest gehen,
388   solange du noch gehen konntest,
389   irgendwann würdest du 
390   sowieso gehen, 
391   sagtest du.
392   Einen Mann mit Zukunft, 
393   bräuchtest du.
394   Eine Familie gründen,
395   Kinder haben.
396   Doch wer kann heute sagen,
397   was in der Zukunft verborgen liegt?

398   Was uns verband,
399   war das JETZT.
400   Wer das jetzt genießen kann,
401   muß nicht nach morgen fragen.
402   Im jetzt ist der Mensch bei sich.
403   Diese Leichtigkeit,
404   das ist das Leben,
405   aus dem eine tiefe Liebe er wächst - aus der alles möglich ist.

  
-43-------------------------------------------------------------------------------------------

406   Eine Ewigkeit -
407   mit mir allein.
408   Dann du.
409   Ein Blinder 
410   hätte mehr gesehen -
411   sofort.
412   Ungläubig verschloss ich mein Herz.
413   Aus Angst hinabzustürzen -
414   die neuen Füße trugen nicht so sicher.
415   Als ich Schritt halten konnte,
416   warst du fort.

417   Schaue nicht zurück -
418   auf die ausgestreckten Hände -
419   die mein Herz halten -
420   herausgerissen.
421   Leise flüstere ich all die Dinge,
422   die so lange in mir schwelten.

423   Schaue nicht zurück,
424   lausche nicht -
425   geh -
426   geh nicht -
427   denn ich liebe dich.
 
 
-44-------------------------------------------------------------------------------------------

428   Zögernd 
429   hielt ich dich 
430   an deinen Schultern,
431   nur langsam 
432   hob sich dein Blick -
433   nie wieder wollt ich ihn sehn - dachte ich.

434   Dein Blick - erschrocken, überrascht von der Konsequenz.
435   Gibt es etwas zu retten?
436   hinüber in eine andere Zeit?
437   - ohne Wunden davonzutragen?
438   Wie tröstlich wäre solcher Großmut.

439   Ich sehe dich lachend -
440   dem Morgen entgegen gehen -
441   unbekümmert - 
442   wie es immer schien.

443   Die Leichtigkeit 
444   die Dinge so zu nehmen -
445   habe ich nie verstanden -
446   doch immer bewundert.

   
-45-------------------------------------------------------------------------------------------

447   Aus der Unsicherheit heraus
448   Barrieren bauend,
449   aus Angst
450   Mauern errichtend,
451   hoffend,
452   das du
453   einen Weg findest,
454   durch das Labyrinth,
455   das dich zu mir führt

456   Vor Angst
457   unfähig zu handeln
458   warte ich
459   auf dich
460   die du 
461   wartest 
462   auf mich.

 
-
46-------------------------------------------------------------------------------------------

463   Ich will mich Quälen,
464   will hoffen bis zur bitteren Gewißheit,
465   komm zu mir, du Souffleuse der Hoffnung,
466   alte Kupplerin,
467   flüstere mir ein, 
468   was ich alles falsch gedeutet habe,
469   male mir eine goldene Zukunft,
470   mit ihr,

471   gib mir einen Strohhalm
472   und verkauf ihn mir als Tau,
473   und wenn deine Schwester,
474   die Hoffnungslosigkeit, 
475   mit der Zeche kommt,

476   dank ich dir 
477   zum Abschied .

-47-------------------------------------------------------------------------------------------

478   Ich liebe dich,
479   die Worte gehen leis über meine Lippen.
480   Nicht mehr.

481   Mein Herz ist rasend
482   meine Hände zittern
483   mein Verstand verdreht sich
484   überall du

485   Mein Acker liegt brach
486   ich warte
487   auf den Moment
488   wo ich meinen Mund beherrsche
489   um dir zu sagen:

490   das ich dich liebe 

  
 
-48-------------------------------------------------------------------------------------------

491   Wenn ich dich seh
492   teilen Meere sich 
493   in meiner Brust

494   Vögel zwitschern 
495   ein liebliches Lied
496   im tiefsten Winter

497   du hohlst tief Luft
498   wie gut ich dich versteh
499   ich sehe dich an

500   ich fahre deinen Hals entlang
501   deine Augen schließen sich,
502   kurz,

503   es ist mein Glück
 
 
-49------------------------------------------------------------------------------------------

504   Aus der Sehnsucht
505   des wartens heraus -
506   bilden Bilder sich.

507   Deine kleinen Füße -
508   mit den kurzen Zehen -
509   dein langer Hals -
510   doch langsam verblassen -
511   die vorsichtigen Küsse nach langer Trennung -
512   das wilde Verlangen -
513   die Hitze -
514   die ungeweinten Tränen -
515   das Lachen.

516   In Erinnerungen treibe ich dahin -
517   umschlungen von deinen Armen -
518   deinen Beinen -
519   in einem blassem Meer -

520   betrunken von tiefen Gefühlen - voll Gewißheit -
521   daß das Boot unerreichbar ist -
522   in dem du sitzt.