Das Abteibuch der starken Frauen zu Herford

Zu den kuriosen Fundstücken, die Kaes van Dongen und Elisabeth von der Pfalz zugeordnet werden können, zählt der Lange jedoch wahrhaftige Bericht von der heiligen Roemischen Reichsabtei Herford und seinen heiligen starken Frauen". Das Buch aus dem Jahre 1578, als Lehrbuch zum Vereinnehmen und verinnerlichen des „Welt- und nicht Weltlichen" gedacht, ist es mit nachempfundenen Bildern aus dem alten Evangeliar der Pusinna bestückt. 1997 tauchte es auf einem Flohmarkt in Antwerpen auf. Durch den Abteistempel der Fürstabtei Herford und der Unterschrift Elisabeths, mit dem Datum 1670, ist es eindeutig der Zeit zuzuordnen, in der sich Kaes van Dongen in Herford aufhielt. In einem Brief aus dem Jahr 667 erwähnt Elisabeth das Buch gegenüber Kaes, woraus wir schließen können, das es eine gemeinsame Lektüre gewesen sein muss.

Kapitel 4 über die Empfängnis, mit nachempfundener Illustration aus dem Evangeliar der heiligen Pusinna: Eine schwangere, entkleidete Nonne liegt auf einem abgedecktem Tisch. Umringt ist sie von drei trauernden und einer mahnenden Nonne, die gen Himmel zeigt. Über der Personengruppe tragen zwei Teufel einen entblößten Mann. Unklar ist, ob die Teufel den Mann fortbringen, oder ihn zur Bestrafung, zur  mahnenden Nonne bringen.

Kapitel 4 Originaltext: Empfaengnis; IV: "Wenn die Frau daselbst ein Vergnuegen an derlei koerperlichen Dingen, von denen keines eines Weltlich Ding ist, gefunden hat so muss sie folgendes behutsam beachten. I. Sie sollte den Zeitpunkt ihres Verlangens immer in Betracht halten und sich in Gedanken rufen, dass die Mannsbilder immer im zustand der koerperlichen verfügbarkeit sind; da sie wie das Tier den einzigen Zwecke ihrer Weltlichen Verfügung, dazu dienlich sind der Frau den Samen zu spenden. II. Daselbst die Frau den Zeitpunkt ihrer Verfuegbarkeit kennt und ueber ihn bestimmt; ist der Manne der Frau zur Fortpflanzungen tätigkeit und der damit verbundenen Vergnüglichkeit stets bereit zu halten. III. Wenn der Manne es ungehaltener Weise in eigenmaechtigkeit der Frau zu nahe getreten ist und eine Empfaengnis dadurch die Folge getreten wurde; ist des Mannes Seelenheil auf ewiglich in der Gegenwelt gehalten. Das Verdammnis der Schaendung einer Frau steht als oberste der Todtsuenden in Folge des Mannestuen."

Kapitel 6 über die Empfängnis, mit nachempfundener Illustration aus dem Evangeliar der heiligen Pusinna. Die Frau, dem Gewand nach eine Geistliche, sitzt auf dem unter ihr liegenden Mann. Mit den Füßen hält sie seine Hände, um ihn zu bändigen. Der Mann ist ausgezogen , die Frau hat das Gewand geöffnet, was auf die jeweilige Gesellschaftliche Stellung schließen lässt. Aus dem Interieur lässt sich erkennen, das sich die beiden in einem wohlhabenden Haus (Kloster) befinden. Das Bett, wie ein Altar positioniert gibt der Szenerie noch einen zusätzliche Bedeutung, was durch die „Musiker" die sich hinter einer Dreiviertelwand befinden, unterstützt wird. 

Kpitel 6 Originaltext: Empfaengnis VI: "Die art und Weise wie die Frau mit dem Manne Verkaere ist auf vielerlei Wege praktizierbar. Es sind derlei Praktiken machbar; die den Genuss und damit auch den Garant einer Empfaengnis garantieren können möglich. I. Die als Pferde- oder Gerittenden Position gelaeufige Stellung der Frau und des Mannes; beschreibt die Frau in der Obigen Sitzenden und den Mann in der unteren Liegenderen Positione; in welcher der Frau auch ein wohliger Genuss zu Teile wird. Wenn der Manne in dieser Handhabung gebunden wird; sind Ausschreitungen jeglicher Weise nicht zu befürchteren. II. Eine Stimmulanz in Forme einer musicalischen Untermahlung solcher gegebenheiten wirkt sich förderlich auf die Fügsamkeit der Maenlichen stoerrigkeit aus."

Kapitel 3 über das Begehren, mit nachempfundener Illustration aus dem Evangeliar der heiligen Pusinna. Drei Männer stehen entkleidet vor einer Geistlichen Frau, die ihr Gewand lüftet. Die Männer verbeugen sich und heben die Hände um etwas zu empfangen oder zu geben. Die Köpfe sind demütig gesenkt, die Glieder in Erwartung aufgerichtet. Die Geistliche wählt mit dem Finger einen oder alle Männer. Zwischen der Frau und der Männergruppe ist das Wort „Cupere" (begehren) geschrieben. Im Hintergrund dieser Szene, die auf einem Hof dargestellt wurde, steht eine Tür offen. Entweder sind die Männer aus dem Hause geführt worden, oder der Akt wird dort vollzogen.

Kapitel 3 Originaltext: Das Begeheren; III: "Über das Begeheren muss die Frau gar viel Lernen. Des Mannes bestreben, die Frau zu befruchten, ist das forherrschende Handeln. Sein urrsprüngliches thuen wird nicht vom Denken gesteuert, sondern vom Triebe. Dieses muss die Frau sich zu nutzen machen. Ein weniges zu reitzen ist im Regelfall ausreichend um seine Triebhaftigkeit zu nutzen. Die Lantze des Mannes ist leicht zu erregen. IV. Da die Frau über Ihre Fruchtbaren Tage, und damit der Gefahr ihrer Fruchtbarkeit zu erliegen, im Bilde ist, sollte sie Ihr Verhalten daraufhin ausrichten, und immer Vorsicht wallten lassen. Mit einem kleinem Winke ist es möglich sein, das eigene bestreben deutlich zu machen, um so der Lust zu froenen."

  zurück