Head   
 
      
 

Hinrich von Hagens, Hetrop 1530

Die Belagerung Münsters 1534

Ausschnitt: Belagerung Münsters mit der Darstellung des Söldners mit der Schaufel und dem Lot

Karte Hnrich von Hagens

Das Rätsel Hinrich von Hagens

Herman Ontrup

Der Kaufmann Herman Ontrup

Gerhard Terbruch

Dr. Gerhardt Terbruch

Gedichtband Terbruchs mit dem Gedicht "Im Grase" von Annette von Droste-Hülshoff. Am Rand persönliche Anmerkungen Dr.Terbruchs. Im Gedicht wurden die Stellen unterstrichen,  die Dr. Terbruch in seinem Gedichtband ebenfalls angemerkt hatte.

Buch

Zum Vergleich der Text des Rätsels Hinrich von Hagens in der hochdeutschen Übersetzung:

„Zwischen den fliegenden Rädern
Mit dem Rücken zur Aa
In den Wiesen Sumpf
So wird das Wasser der Hüter sein
Wo die Gräser tief
und zeitweise hoch
Wo der Käfer im Glanz der Sonne kriecht
Und kein Weg sein wird
Legte ich ein Fuß nach dem anderen
40 mal in die Tiefe
Des sumpfigen Grund getrieben
Das kein Auge dieses Wird sehen können,
auch nicht Des Himmelreich,
ernstlich wirderblicken"

Ludgerietor Münster

Ansicht des Ludgeritores nach einem Ölbild von Zumfelde, F. Harnfeld

Ausschnitt

Ausschnitt mit den Hinweisen aus der Ansicht des Ludgeritores nach einem Ölbild von Zumfelde, F. Harnfeld

Lageplan Aasee Muenster

Lageplan des Aasees und der verschiedenen Grabungsphasen

Grabungsfeld

Grabungsmannschaft um 1913. Im Hintergrund die Antoniuskirche

Wewerka Pavillon

Der Wewerka Pavillon am Aasee in Münster mit der Ausstellung über Hinrich von Hagens Schatz im Aasee 2003

 

 

Der Goldschatz Hinrich von Hagens 

PfeilDer Schatz im Aasee im SOLIBRO-Verlag


1534 starb Hinrich von Hagen im Alter von etwa 54 Jahren. Bei seinem gewaltsamen Tod hinterließ der münsterische Kaufmann ein riesiges Vermögen, das jedoch bis heute nicht aufgefunden worden ist. Wo heute der Aasee von den Münsteranern als Naherholungsgebiet genutzt wird, spielte sich vor rund 500 Jahren eine Tragödie ab.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lagen Wohlstand und Ruin dicht beieinander. Inflation und Wirtschaftskrisen, Hungersnöte und vor allem Seuchen trafen alle Menschen ohne Rücksicht auf soziale Schranken. In Wien standen die Türken vor den Toren (1529), Rom ward geplündert (1527 sacco di roma), Ritteraufstand (1522-23) und Bauernkrieg, (1517) bedrohten die politischen und religiösen Fundamente der mittelalterlichen Welt. Dazu kam eine Wirtschaftskrise die in Nordwesteuropa seit 1528 wütete, begleitet von Teuerung, Hungersnöten und der Pest, die 1529/30 in Münster grassierte. Dieser Unsicherheit des Lebens entsprach ein gesteigertes Heilsbedürfnis. Durch Stiftungen, Wallfahrten und Ablässe suchte der gläubige Bürger sich des göttlichen Heils zu versichern.

Trotz dieser Widrigkeiten des Lebens erlebte Münster im Spätmittelalter eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Bürger wie der Kaufmann Hinrich von Hagen brachten es zu ansehnlichem Besitztum und Vermögen. Mit seiner Frau Henriette und seinen beiden Söhnen Gerrit und Harm lebten die von Hagens in einem Haus in der Ludgeristrasse in Wohlstand und Gottesfurcht.

Die Furcht vor dem Weltende aktualisierte sich im dritten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Schon längere Zeit schwelte in Münster ein Konflikt zwischen der Bürgerschaft und dem privilegierten Klerus um Steuerfreiheit und um die wirtschaftlichen Aktivitäten der Klöster. Dieser Konflikt war es unter anderem, der es möglich machte, das eine kleine Gruppe von religiösen Fanatikern in Münster Fuß fassen konnte. Wenn auch viele mit der Täufersekte nichts zu schaffen haben wollten, entschied sich eine Mehrheit des Rates, unter Führung der Gilden, gegen Eingriffe des Bischofs für die Behauptung der Stadtfreiheit und Tolerierung der Täufer - und damit für den Krieg.

Am 23. Februar 1534 errang die „Freiheitspartei" der Wiedertäufer die Ratsmehrheit. Zeitgleich leitete der Bischof die Belagerung der Stadt ein. Nur 4 Tage nach der Ratswahl wurden alle Ungläubigen aus der Stadt gejagt, die den Empfang der Glaubenstaufe verweigerten. Unter Ihnen zahlreiche wohlhabende Bürger Münsters.

Der Aufruf des Täufers Jan Matthys „alles Gold und Silber" bei den Täufern abzugeben, da ein guter Christ kein weltliches Gut besitzen dürfe, verschärfte die Lage zusätzlich. Viele der in Münster verbliebenen Bürger folgten dem Aufruf aus Überzeugung, oder Furcht um das eigene Leben. Andere versuchten ihren Besitz zu verstecken, bis der Täuferschaft vom Bischof ein Ende bereitet würde. Hinrich von Hagen gehörte zu diesen Menschen die an die Macht des Bischofs glaubten. Die Belagerung Münsters durch die bischöflichen Truppen, hatte bereits vor den Toren der Stadt begonnen. Bei Nacht und Nebel soll Hinrich all sein Gold und Silber vor die Stadtmauern transportiert haben, um es dort zu verstecken. Am Ufer der Aa, in der Nähe des Äegiditores, soll er die Stelle gefunden haben, wo die Gefäße mit dem Schatz noch heute in der Erde liegen.

Als Hinrich von Hagen nachts in die Stadt zurückkehrte, musste er von der Stadtwache zur Rede gestellt worden sein. Die Torwachen standen im Dienst der Täufer und mussten in dem Münsterischen Kaufmann einen Spion des Bischofs vermutet haben. Durch damals gängige Verhörmethoden, wie Eintauchen ins Wasser, versuchten die Wachen an Ort und Stelle, die Wahrheit aus Hinrich von Hagen herauszubringen. Diese Verhörmethoden, überlebte der fast 54 jährige nicht und verstarb wahrscheinlich direkt im Wasser der Aa, wo man den Toten dann treiben ließ.

Von dem Verdachtsmoment der Spionage nicht befreit, wurde von Hagens Familie von den Täufern verhört. Doch der Kaufmann hatte, wohlwissend um die Gefahren die mit der Sicherstellung seines Vermögens verbunden waren, seine Frau und die Kindern nicht unterrichtet. Als die Verhöre auch bei der Familie ergebnislos verliefen, wurden sie aus der Stadt gehetzt und ihr Haus beschlagnahmt. Henriette von Hagen zog mit ihren Söhnen zu ihrer Schwester nach Süddeutschland. Zwei Jahre später, als die Schreckensherrschaft der Wiedertäufer längst durch den Bischof beendet war, versuchte Gerrit von Hagen dem Gold seines Vaters auf die Spur zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Erst hundert Jahre später ließen sich wieder Nachkommen Hinrich von Hagens in der westfälischen Metropole nieder.

Für lange Zeit geriet der Schatz Hinrich von Hagens in Vergessenheit, viele glaubten an eine Sage vom „Gold des Hagen". Erst im September des Jahres 1844, wurde der Besitzer des ehemaligen Hauses Hinrich von Hagens, der Münsterische Kaufmann Hermann Ontrup, mit dem Schatz konfrontiert. Bei den Renovierungsarbeiten des Dachstuhls entdeckte er unter dem Brett eines Dachsparrens eine Karte. Diese Karte hatte Hinrich von Hagen 1534 dort verstaut. Auf dem Blatt ist eine Zeichnung der Stadtmauer, der Flusslauf der Aa, zwei Windmühlen, sowie einer Person mit einem Stab und ein schriftliches Rätsel aufgezeichnet. Unterschrieben wurde das Rätsel mit den Initialen HvH 1534.

Über die Interpretation des Textes wurde seit dem Fund viel spekuliert. Die „fliegenden Räder", wie es in dem Rätsel lautet, müssen die Windmühlen sein, die zu Hinrichs Zeit vor den Toren der Stadt standen. Doch kommen hierfür fünf Mühlen in Frage. Die Kreienmühle, die Commendenmühle, die Plüggenmühle und die Wellühle. Da die fünf Mühlen auf der rechten Uferseite der Aa standen, in dem Rätsel aber eine Mühle auf der linken Flussseite dargestellt ist, wurde die Suche schwieriger. „Mit dem Rücken zur Aa", sowie „in den Wiesen Sumpf" und „40 mal in die Tiefe" sind weitere Ortsangaben des Rätsels. Mit dem „Himmelreich" könnten nach Meinung einiger Interpreten die Wiedertäufer gemeint sein, die in Münster das neue „Himmelreich" Gottes (Zions) gründen wollten.  

Hermann Ontrup, der Finder dieser geheimnisvollen Botschaft aus der Vergangenheit, zählte auch zu den „Jägern des verlorenen Schatzes". Mit großem Finanziellen Aufwand, betrieb er gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Grabung an der von ihm vermuteten Stelle, was ihn nahezu ruinierte und nicht von Erfolg gekrönt war. Lediglich ein großer Presseauflauf wurde ihm beschert, der die Geschichte vom „Schatz des Hagens zu Münster" weit verbreitete und andere Abenteuerlustige anlockte.

Einer der „Schatzsucher" war Dr. Gerhard Terbruch, ein pensionierter Studienrat. In dem Gedicht „Im Grase" von Annette von Droste Hülshoff, wollte er Verbindungen zu den Zeilen des Rätsels Hinrich von Hagens sehen.
Annette von Droste Hülshoff hatte mit der Arbeit an dem Gedicht im November 1844 begonnen, nachdem sie ins Rüschhaus zurückgekehrt war - zu dem Zeitpunkt als Hermann Ontrup die Schatzkarte fand. Terbruch vermutete, das die Dichterin von dem Fund der Karte erfahren hatte, und sich in ihrem Gedicht auf das Rätsel bezog. Heute erinnert noch der Name ihres Freundes Levin Schücking, in Form der Wegbezeichnung am Aasee, an Annette von Droste Hülshoff. Ein Indiz das findige „Schatzsucher" in den sechziger Jahren dazu verleitete, einen Bezug herzustellen. Der Levin-Schücking-Weg befindet sich an der Stelle, wo der Schatz vermutet wird. In dem Gedicht hatte Gerhard Terbruch folgende Verweise gefunden, die auf den Text des Rätsels von Hinrich von Hagen verweisen sollen.
 


Annette von Droste Hülshoff

Im Grase

Süße Ruh‘,süßer Taumel im Gras,
Von des Krautes Arome umhaucht,
Tiefe Flut, tief tief trunkne Flut,
Wenn die Wolk‘ am Azure verraucht,
Wenn aufs müde, schwimmende Haupt
Süßes Lachen gaukelt herab,
Liebe Stimme säuselt und träuft
Wie die Lindenblüt‘ auf ein Grab.
Wenn im Busen die Toten dann,
Jede Leiche sich streckt und regt,
Leise, leise den Odem zieht,
Die geschloßne Wimper bewegt,
Tote Lieb‘, tote Lust, tote Zeit,
All die Schätze, im Schutt verwühlt,
Sich berühren mit schüchternem Klang
Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt.
Stunden, flüchtiger ihr als der Kuß
Eines Strahls auf den trauernden See,
Als des ziehenden Vogels Lied,
Das mir nieder perlt aus der Höh,
Als des schillernden Käfers Blitz,
Wenn den Sonnenpfad er durcheilt,
Als der heiße Druck einer Hand,
Die zum letzten Male verweilt.
Dennoch, Himmel, immer mir nur
Dieses Eine mir: für das Lied
Jedes freien Vogels im Blau
Eine Seele, die mit ihm zieht,
Nur für jeden kärglichen Strahl
Meinen farbig schillernden Saum,
Jeder warmen Hand meinen Druck,
Und für jedes Glück meinen Traum.

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts sind viele der Stadttore in ihrer ursprünglichen Form weiterhin als Zoll- und Kontrollstationen benutzt worden. Das Ludgeritor wurde im Zuge neuerer Planungen, in Teilstücken 1839 und 1847, abgebrochen. Auf dem Aquarell „Ansicht des Ludgeritores" von Zumfelde von 1835, ist ein Mann mit Schaufel über der Schulter zu sehen, der von der Zugbrücke aus zum Wasser geht. In seiner Blickrichtung befindet sich ein im Wasser spiegelnder Pfahl, der in seinem Spiegelbild eine Pfeilspitze aufweist.

Bernhard Heimsdorf sah 1911 in diesen beiden Aspekten des Bildes einen Hinweis auf die Stelle des vergrabenen Goldes von Hinrich von Hagen. Der gespiegelte Pfahl mit Spitze, die der Pfahl in seiner an Land befindlichen Position nicht aufweist, zeigt auf die zu grabende Stelle, auf welche der Mann mit der Schaufel zugeht. Die Grabungen, die im selben Jahr aufgrund der Schlussfolgerungen Heimsdorfes stattfanden, blieben jedoch fruchtlos.

Ein ähnliches Beispiel findet sich in der Kopie eines Holzschnittes von Erhard Schoen aus dem Jahr 1535. Dargestellt ist die Belagerung Münsters durch den Bischof Franz von Waldeck. Am Flusslauf der Aa ist ein Söldner mit Lot und Schaufel dargestellt. Auch dieser Fingerzeig wurde als Beweis ausgelegt, das sich die Kenntnis über den Schatz schon kurz nach seiner Vergrabung verbreitet hatte. In einem Aquarell aus der Zeit um 1794, das den Einzug französischer Emigranten in Münster zeigt, findet sich ebenfalls ein solcher Hinweis. Mehrere Personen auf dem Bild zeigen auf einen Mann mit einer Schaufel der am Ufer der Aa gräbt. Im Hintergrund ist das Äegiditor zu sehen. Vom Standpunkt her also durchaus eine mögliche Variante der Standortbestimmung des Schatzes. 

Nach anderen Hinweisen haben die französischen Truppen unter der Leitung des Schwagers Napoleons, Joachim Murat, bei ihrer Besetzung Münsters um 1808, vergeblich nach dem Golde Hinrich von Hagens gesucht.

Beispiele wie in den oben beschrieben finden sich für die willigen Schatzsucher zahlreich. In den fünfziger Jahren hatten einige Abenteurer mit Taucheranzügen versucht, dem Schatz näher zu kommen. Erwähnenswert sind hier Ernst Otto Terstegge und Klaus Maria Borgeld. Die beiden Auswanderer waren aus Amerika zurückgekehrt und hatten von der Suche nach dem Gold Hinrich von Hagens erfahren. Sofort besorgten sie sich Taucherausrüstungen und Gerät, um sich mit ihren südamerikanischen Helfern auf die Suche am Grunde des Aasees zu machen - jedoch Erfolglos. 

Von den sechziger Jahren, bis zu dem letzten bekannten Grabungen 1984, ging man systematischer bei der Suche vor. Mit modernem Gerät, wie Magnetometer ausgestattet wurden die Wiesen um den Aasee herum nach unterirdischen Vorkommen abgesucht. Verdächtige Abweichungen im Erdboden, zum Beispiel Gruben, werden gespeichert und im Computer zu Bildpunkten umgesetzt. Da die Geräte sehr kostspielig sind kamen sie nur selten zum Einsatz. Thomas August Gmeinder aus Friedrichshafen hatte sich 1976 mit seinen Helfern einen Bereich vor dem ehemaligen Äegiditores ausgewählt, um dort dem Geheimnis von Hagens auf die Spur zu kommen. Mit modernem Tauchgerät wurde Wochenlang der Boden des Aasees abgesucht und bis auf kleinere unbedeutende Funde, die nichts mit Hinrich von Hagens Schatz zu tun hatten, blieb die Suche ergebnislos.

Der Aasee entsteht

Professor Landois hatte 1868 die Idee zum Bau des Aasees entworfen. Ihm ging es in erster Linie darum, die Wasserzufuhr der Aa zu regeln. Die Stadt war inzwischen enorm gewachsen, und die Abwässer wurden in die Aa geleitet. Ein trockener Sommer und die Aa bestand mehr aus Fäkalien, denn aus Wasser. Ein Stausee vor den Toren der Stadt, dort wo das Wasser noch einigermaßen sauber war, konnte das Problem zwar nicht lösen, es aber einige Kilometer weiter aufs Land hinaus schwemmen. Den Beginn der Ausschachtungen des Aasees hat Landois nicht mehr erlebt. 1913, mit Hilfe italienischer Fachleuten, wurde mit dem Bau des Sees begonnen. In Wassertechnik galt Italien damals als führend. Doch schon ein knappes Jahr später verließen die Helfer fluchtartig die Stadt: der erste Weltkrieg war ausgebrochen. 

Zu der Zeit, in der die angefangenen Arbeiten am Aasee brachlagen, waren viele Abenteurer unterwegs den „Schatz" zu suchen. Die Ausschachtungen waren eine Willkommende „Vorarbeit". Außerdem wurde befürchtet, das die Bauarbeiter das Gold finden könnten. Alle diese Unternehmungen waren nur von geringfügiger Bedeutung, was die Resultate betrifft. Verrostete Eisenreste, die man für Reste der Gefäße Hinrich von Hagens hielt, sowie Kupferkannen und Messingleuchter heizten die Atmosphäre der Suche an. Nach dem Krieg wurden die Arbeiten nur zögerlich fortgeführt. Das ausgehobene Erdreich fand Verwendung beim Bau der Ringstraßen. 

Ein Hochwasser von 1926 machte fast alle bisherige Arbeit wieder zunichte. Entmutigt wurde eine Pause eingelegt, bevor, ebenfalls wieder nur halbherzig, von Neuen begonnen wurde. Dabei musste ein Arbeiter sein Leben lassen: Zum Abtransport des Erdreiches hatte man eigens Schienen gelegt und betrieb kleine Lorenbahnen; die Lok war auf unsicheren Grund gekippt und hatte einen Arbeiter unter sich begraben. Eine Gedenktafel an der linken Mauer, die seitlich die Treppen der Aaseeterassen begrenzt, erinnert an den verunglückten. Später entstand das Gerücht, das die Unaufmerksamkeit des Arbeiters auf ein Glitzern im Schlamm zurückzuführen sei, wonach sich der Unglückliche gebückt hatte als die Bahn entgleiste. Eine unbestätigte Geschichte, die wie viele um den „Schatze" gesponnen wurde. 

Erst die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen, die steigenden Arbeitslosenzahlen, führten zum konsequenten Ausbau des Aasees: Er war, wie man heute sagen würde, eine „Arbeitsbeschaff- ungsmaßnahme". Zwar profitierte nur ein kleiner Teil der Münsteraner Arbeitslosen - etwa 1 bis 2 Prozent - von diesem ABM-Programm, doch nach dem Krieg besaß Münster ein attraktives Naherholungsgebiet.

In den achtziger Jahren erfolgte der Ausbau des zweiten, etwas kleineren Teiles des Aasees, hinter der Torminbrücke. Die ausgeschachtete Erde wurde zu einem Hügel aufgeschüttet, hinter dem sich der heutige Zoo verbirgt. Ende der achtziger Jahre wurde die alte Torminbrücke, die erste Stahlbetonkonstruktion Deutschlands, abgerissen und durch die moderne Torminbrücke ersetzt. In den Neunziger Jahren wurde ein Teil des verlorengegangenen Biotops des hinteren Aalaufes wiederhergestellt.

Viele haben seit 1534 versucht dem Geheimnis von Hinrich von Hagen auf die Spur zu kommen. Ob das Gold heute noch im Aasee liegt, ob es gefunden, oder fortgeschwemmt wurde, wird vielleicht die Zukunft zeigen. Was auch immer damit geschah, diese Dokumentation soll an all die Menschen erinnern, die mit ihrer Hoffnung und ihrem Mut das Andenken an Hinrich von Hagen am Leben halten.