Gustav Szathmáry(1867 - 1907)

    Brief Gustav Szathmárys an Bernhard Hoetger aus dem Jahr 1904
 

 

Mit Bernhard Hoetger 1904 in Paris   Karikatur Szathmárys auf  Bernhard Hoetger Der Originalbrief Szathmárys  Die Fecondité von Bernhard Hoetger
       

Mein lieber Hoetger,

wie war ich erfreut von Ihnen zu hören, das Sie nun letzten Endes doch meinem Rat gefolgt sind, und das Ungetüm, welches Sie Bart zu nennen pflegten, aus Ihrem Gesicht entfernt haben. Sie wissen es geht mir nicht um schnöde Äußerlichkeiten, vielmehr um die Würde und Ehre eines Menschen, und das nicht nur im Bezug auf das andere Geschlecht, Sie wissen, wie ich dazu stehe. Tragen wir nicht unser innerstes in unserem Äußeren zu Tage? Damit wäre also der erste Schritt zu einer Notwendigen Veränderung eingeleitet. Verzeihen Sie mir den offenen Ton, doch bin ich überzeugt, das Ehrlichkeit in der Verständigung unter Gleichgesinnten unabdingbar ist. Wenn Sie also jetzt noch meinen freundschaftlich gemeinten Rat Ihrer Arbeit betreffend ernst nehmen würden, so glaube ich, das sich auch Ihre finanziellen Probleme lösen ließen. Es ist eine Unart, einer Mode wie der eines Rodin nachzueifern. Wenn wir etwas erschaffen wollen, müssen wir voranschreiten und dürfen nicht hinterherhinken. Auch wenn kleinere Erfolge Sie in dem Glauben lassen, recht zu tun, so sage ich Ihnen doch, das der Zauber, der von Ihren kleinen Plastiken ausgeht, nur der Glanz ist, welcher als Reflexion einer größeren Lichtquelle zurückgeworfen wurde. Doch sind wir ja selbst oft blind vor unserem Werk.

 Lösen Sie sich von derlei Getue und anderen gelernten Traditionen und lernen Sie richtiges sehen, dann wird noch großes von Ihnen zu erwarten sein. Ich sehe ein großes Potenzial in Ihrer Arbeit, Sie wissen wie sehr ich Ihre Plastiken schätze – ich erwähne hier nur die Fecondité, die mich tief berührt hat. Doch genug gepredigt, ich wollte Sie um etwas bitten, solange Sie in einem vortrefflichen Zustand anzutreffen sind. Kommen Sie doch bitte, sobald ich wieder in Paris weile, bei mir im Atelier vorbei und lassen Sie mich ihren Anblick für die Nachwelt festhalten. Es sind auch verschiedene Kostüme zur Verfügung, welcher Sie sich bedienen können. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie mit einer jungen Dame vorstellig machen, welche wie ich in Wien Musik studiert hat und demnächst in Paris einkehren will. Neben dieser jungen Baltin, Helene Haken, verblasst Ihre Fecondité, obwohl ich sehr von Ihr angetan war. Vielleicht regt die junge Dame auch Ihre Vorstellungskraft an, wie sie die meine für ein paar sehr schöne Kompositionen geregt hat. Dazu möchte ich Sie bitten, die junge deutsche Malerin, von der Sie mir berichtet hatten, einmal mit ins Atelier zu bringen. Ich wäre sehr begierig etwas von ihren Arbeiten zu sehen. Was Sie erzählten, lässt auch hier großes erwarten.

Also grämen Sie sich nicht, sondern melden Sie mir Ihr kommen, solange Sie noch nicht wieder zugewachsen sind.

Einer der es gut mit Ihnen meint.

Gustav Szathmáry