Gustav Szathmáry - Ein Leben für Paula Modersohn-Becker


Die Grabung und Ausstellung im Roselius Museum WORPSWEDE 

Ausstellung im Roselius Museum vom 23.11.2003-22.02.2004 

  

 

Anhand eines Briefes des 1867 in Budapest geborenen Gustav Szathmárys an seinen ungarischen Freund und Arzt István Ihász, der im Jahr 2000 auf einem Flohmarkt in Bratislava gefunden wurde, ist im Jahr 2000 erstmalig ein Hinweis auf den Verbleib des 1907 spurlos verschwundenen Komponisten und Fotografen Gustav Szathmáry aufgetaucht. Der Brief beinhaltet neben einer Skizze des Standortes des Grabes Szathmárys, die Bitte an den befreundeten Arzt István Ihász, in Worpswede beerdigt zu werden. Diese Informationen führten im Frühjahr 2003 zu der Suche nach dem Grab Gustav Szathmárys in Worpswede. Da sich das Stadtbild Worpswedes in den letzten hundert Jahren nur unwesentlich verändert hat, konnte der auf der Skizze angeführte Standort schnell und genau zu bestimmt werden. Circa siebzig Meter entfernt von dem Grab Paula Modersohn-Beckers auf dem Worpsweder Friedhof, an der heutigen Lindenallee, wurde dieser Standort des Grabes Gustav Szathmárys lokalisiert. Die letzte aktive Nutzung  dieses Grundstückesals Gemüsegarten, fand in den dreißiger Jahren durch Martin Goldyga, einen Weggefährten Heinrich Vogelers statt. 

Mit Hilfe eines Magnetometers wurde das Erdreich bis auf 4 Meter Tiefe mit Sonden durchmessen. Veränderungen in der Erde, die auf Funde hoffen ließen, wurden so als Bildpunkte sichtbar. Die Ergebnisse der Bodendurchleuchtung waren erstaunlich. Die Schatten eines größeren und mehrerer kleinerer Gegenstände konnten so Sichtbar gemacht werden - einer davon glich der Siluette eines Menschen. Nachdem das Gelände abgsteckt worden war konnte mit der Grabung begonnen werden. Nach einer Humusschicht von ca. 50 cm begann die für den Weyerberg typische, mit Findlingen durchsetzte Lehm-Sandschicht. Der erste Fund wurde in einer Tiefe von 80 cm gemacht. 

Der Távkioldö (Selbstauslöser) 1896 von Gustav Szathmáry entwickelt, lag auseinandergenommen in der dafür vorgesehenen Leinentasche. Etwa einen halben Meter von diesem Fund entfernt lag die Kamera Szathmárys, die Babám No.1, ebenfalls 1896 von Szathmáry entwickelt, zusammen mit der Halterung für den Távkiolö in ein Leinentuch gewickelt und verschnürt. Neben diesen beiden Funden wurde der Körper Gustav Szathmárys, ebenfalls in grobes Sackleinengewebe verschnürt gefunden. Bei den Untersuchungen in der Universitätsklinik in Bremen, verwunderte vor allem der gut erhaltene Zustand des Körpers. Aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Bodens und einer vermuteten Behandlung des Körpers und des Sackleinens mit einer Baumharzmischung ist der Verwesungsprozess nicht komplett eingetreten. Um den fast mumifizierten Körper vor dem Verfall zu schützen, wurden Konservierungsmaßnamen getroffen.

Zusammen mit dem Körper wurden noch weitere Gegenstände in dem Leinensack verschnürt aufgefunden. Das Lebensbuch Szathmárys, vier Fotoalben mit zahlreichen privaten Fotos und Portraitstudien, ein Skizzenbuch, Szathmárys Pass und Brille, Notenfragmente verschiedener Klaviersonaten und mehrere Filmfragmente. Unter diesen Filmfragmenten befindet sich ein Fragment mit einer einzigartigen Filmaufnahme Paula Modersohn-Beckers. Auf einer Wiese sitzend, einen Apfel essend, schaut sie kurz in die Kamera um dann wieder den Blick in die Ferne zu schweifen.

 


 
Dokumentation der Ausgrabung in Worpswede 2003  

 


  

Grabung Szathmáry Worpswede Grabung Szathmáry Worpswede 

Grabung Szathmáry Worpswede 

Treppenabstufung der Fundstelle        Magnetspektographische Untersuchung der Grabstelle            Die Karte Szathmárys mit der Grabstelle
Grabung Szathmáry Worpswede Grabung Szathmáry Worpswede  Grabung Szathmáry Worpswede 
Der Leinensack mit dem Körper Szathmárys        Der Fotoapparat Babám No.1                 Lokalisation der Grabung in Worpswede
 

 
Die Ausstellung im Roselius Museum Worpswede  2004
Roselius Museum Worpswede 
Das Roselius Museum (Heute Teil der Große Kunstschau) in Worpswede 
Roselius Museum Worpswede  Roselius Museum Worpswede  Roselius Museum Worpswede 
Vitrine mit dem Távkioldö (Selbstfotografierer) Der Fotokamera: Babám No. 1 Figur Gustav Szathmáry